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# 78 | 14.02.2010 09:48:54 | Wilfried Harthan schrieb:
@ Bernhard – Hegemann, Avatare und Halunken

Das Leben kommt nicht geradlinig daher. Der Mann, sag ich mir, ist ein Schalker. Und nicht nur das. Er versucht sogar ganz unverhohlen, den Joe Bauer von der Waldau in die verbotene Stadt Herne-West abzuwerben. (#34). Also das geht gar nicht! Okay, daß sich der Name seines Vereins auf Bier reimt, ist in ein Argument, das sich aber sofort von selbst verbraucht, weil es dort gar kein Bier gibt. Die Sauerländer Plörre, die dort ausgeschenkt wird, kann er ja nicht ernsthaft gemeint haben. Soweit war ja noch alles klar.
Aber dann sein wunderschöner Wink mit der Doppelläufigen – streng virtuell versteht sich – in die Richtung notorischer Salon-Halunken hat mir die größte Sympathie abgerungen.
Und sein jetziger Beitrag „Hegemann, Avatare und Halunken“ – was soll ich sagen. Wenn es in ganz kurzer Zeit ganz oft Klick macht im Hirn und man am Ende wirklich was kapiert hat, dann beeindruckt einen das schon. Besten Dank.
Noch leicht irritiert entsende ich herzliche schwarzgelbe Grüße aus Lüdenscheid-Nord.

# 77 | 13.02.2010 18:24:44 | Hans-Ulrich Wagner schrieb:
Ich finde auch (wie Bernhard), daß man Frau Hegemann nichts vorwerfen sollte. Jeder hat das Recht und wird es bei entsprechender Förderung auch ausüben, sich mit den Helden der Weltliteratur zu messen. Es ist nur so seltsam, wie sich die ganzen Feuilletonisten an ihr abarbeiten. Es scheint, als ob ein jeder im Blätterwald schon seinen zukünftigen Ruhm austariert und nicht Gefahr laufen will, in 5 Jahren gesagt zu bekommen, daß er das schöne Kind damals ignoriert oder gescholten hat. Wenn ich an Lou Reed denke – sicher ein Kotzbrocken vor dem Herrn, aber er hat es GEMACHT, wovon er singt und schreibt – ist der Abstand zur neuen deutschen Pubertätsprosa doch gewaltig. Oder wenn sich Leo Naphta im Zauberberg eine Kugel in den Kopf schießt: Mit einfachen Mitteln die maximale Dramatik erzielt, ganz ohne das einem kleinen Mädchen während seiner Vergewaltigung die Netzhaut verbrannt wird. Aber keiner hat die Traute und sagt: Der Kaiser hat ja gar nichts an – das Zeugs ist stinklangweilig und vollkommen unauthentisch oder meinetwegen unoriginell. Helge Schneider und Christoph Schlingensief zum Beispiel SIND originell (es geht anscheinend doch noch), letzterer offenbar ein Vorbild für Frau Hegeman, von dem sie denkt, daß das um-ihm-herumscharwenzeln schon genügt, um in seine Fußstapfen steigen zu können. Das Kokettieren mit dem Kokettieren reicht nicht, genausowenig wie das Verschanzen hinter der angeblichen Virtualität des Internet.
Aber nicht die Siebzehnjährige kotzt mich an, sondern dieser ewig lauwarme deutsche Kulturverein, wo nur noch verwaltet und genetzwerkt wird, wo jeder, wenn er will, seine Kunst-Karriere minutiös planen kann, hauptsache er fängt keinen Krach mit den falschen Leuten an, weiß wo es warm rauskommt und kriecht dort so tief hinein (in den Kulturvereinsarsch), daß er es ganz weit hinten schon wieder hell werden sieht. ... teures Mittel gegen Magnesiummangel gekauft. Viel von Paralleluniversen gelesen, versucht hinzugelangen. Haßlicher Sturz. Blöder Schnee. Noch am Boden liegend Wunder erlebt: Meine verstorbene Großmutter erschien und sagte: Die Sonne müsste nachts scheinen, am Tag ist es doch sowieso hell. Frank Elstner, Eva Padberg und MMWesternhagen huldigen in der UBahn auf penetranten Leuchtplakaten der Bildzeitung. Debile Arschgeigen? Winnetou starb, ließ sich jedoch nichts anmerken. Mildtätige Zwerge fanden und pflegten ihn in ihrer Erdhöhle gesund. Wer die hier angezapfte Quelle findet, darf sie behalten.

# 76 | 13.02.2010 14:47:11 | Sabine schrieb:
ignorance is bliss...
Man möge sich beeilen, wenn man noch Karten für den 18.Februar im Literaturhaus (Taro) ergattern möchte. Mangelware.
Tante Emma Laden: Read it: John Irving, Last night in twisted river.
Für die Holzfäller unter euch.
Für den Boss: ist chinesische Schlittenfahrt das, was passiert, wenn man beim Rodeln übers Ziel hinausschießt? Ich dachte, das sei was anderes...Sorry госп& amp;#1086;дин Kumaritaschwili.
Und ich soll nochmal dickes Lob vom Polarkreis für die Kolumne mit Mappus übermitteln.

# 75 | 13.02.2010 14:34:32 | Bernhard schrieb:
Hegemann, Avatare und Halunken
Helene Hegemann findet das Leben der Anderen um Einiges spannender als das Eigene. Was ist schlimm daran? Es ist nichts Besonderes – Kopfkino und die Flucht in Traumwelten waren schon immer ein bewährtes Mittel dem realen Dasein eine Zeit lang zu entfliehen. Jemand Anderes sein, klüger, stärker oder mutiger, oder überhaupt Jemand zu sein, wenn einem die reale Welt jeglichen Respekt verweigert. Dazu braucht es nur eine gewisse, kreative Vorstellungskraft und eine gehörige Portion Inspiration: Fertig ist die selbstgebastelte Parallelwelt, in der man tun und lassen kann, was man will. Für Kleinkinder gehört der Bedarf an multiplen Identitäten noch zur Persönlichkeitsentwicklung, in der Pubertät treibt er mitunter sehr seltsame Blüten, und im Erwachsenenalter nennt man Menschen, die dauerhaft zwischen ihrer echten und ihrer virtuellen Persönlichkeit pendeln, dann schlicht krank – oder, je nach Blickwinkel, geniale Künstler. Der Grat auf dem sie wandeln ist sehr schmal. Was immer die junge Frau Hegemann dazu getrieben hat, sich die leidensvolle Welt aus dem Tagebuch des Bloggers Airen zur Eigenen zu machen, mit dem Diebstahl geistigen Eigentums, hat es nur sehr wenig zu tun. Frau Hegemann gehört zu einer Generation für die Schizophrenie zum Alltag gehört. Früher blieb die geheimnisvolle Welt des zweiten Ichs im Verborgenen, wurde bestenfalls schriftlich dokumentiert, in einem Tagebuch, oder, in sehr wenigen Fällen, auch publiziert und gehört heute, noch seltener, zur Weltliteratur. Das Internet lädt ja geradezu dazu ein, multiple Persönlichkeitsbilder zu entwickeln und auszuleben. Niemand entdeckt die Wirklichkeit, die dahinter steht. Frau Hegemann redet von ihrem Werk als „Echtheit“, denn „Originalität“ gebe es nicht. Sie betrachtet das Internet gewissermaßen als virtuelle Welt, aus der man Dinge in die reale Welt transferieren kann, und echt werden lässt. So hilflos Hegemanns Entgegnung auf den Plagiatsvorwurf auch daher kommt, diese Aussage offenbart genau den Kern des Problems. Gibt es im WWW überhaupt Originalität und geistiges Eigentum? Ist ein explizit der Allgemeinheit zur Verfügung gestelltes Schrifttum und Gedankengut nicht automatisch Eigentum der Allgemeinheit? Haben die unzähligen, nur als Avatar oder mit einem Pseudonym im Netz existierenden Persönlichkeiten überhaupt ein Recht auf den Schutz ihres (virtuellen) Eigentums? Können Menschen deren Avatare im Second Life oder in SimCity eins auf die Rübe kriegen demnächst auf rechtlichen Beistand hoffen? Es soll schon Fälle gegeben haben, in denen sich solche virtuellen Existenzen vertreten durch ihre realen Counterparts in der echten Welt gegenseitig wegen Diebstahls verklagt haben. Die aktuelle Debatte über das Urheberecht bei google-books behandelt im Grunde das gleiche Problem: Wem gehört was im Netz?
Der Fall Hegemann ist kein Fall für Plagiats-Diskussionen. Es hat sich jemand in seiner virtuellen Welt aus der eines anderen bedient oder, wohlwollender, sich von ihr inspirieren lassen. Ein Blogger hatte sein angeblich reales Leben anonym als „Airen“ offenbart. Er besteht nun auf seine Anonymität, möchte aber trotzdem am Ruhm seiner Worte teilhaben, schließlich hat er ja im realen Leben selbst sein Stück „Echtheit“ unter dem Titel Strobo daraus gemacht. Ob es der Anonymus selbst ist, der es begehrt, oder seine zweite virtuelle Persönlichkeit, das vermag niemand zu sagen. Der Ullstein-Verlag zumindest, verweist in der zweiten Auflage auf „Airen“ als Quelle vieler Passagen. Und damit ist es gut. Die Ähnlichkeiten wurden ja ausführlich dokumentiert und sind nicht der Rede wert. Das hatte auch sein Gutes: Ich weiß nun sehr genau, dass ich keines der beiden Bücher lesen werde!
Nicht jede Beschreibung virtueller Identität begründet in ihrer juvenilen und extremen, stilistischen Eigenart gleich eine neue Autoren- und Stilgeneration, wie uns Maxim Biller weismachen will. Stimmte schon bei den Stuckrad-Barres nicht.
Nun mal übertragen auf Marshall Joes Wild West Web-log: Wer sich dorthin begibt, sollte die Kommunikationsformen im Internet sorgfältig von denen in der realen Welt unterscheiden können. Und ein dickes Fell haben. Es ist ein Unterschied, ob man vis-á-vis seine Gefühle, Empfindungen oder Meinungen äußert, oder ob man es lauthals auf einem Marktplatz heraus schreit. Bei letzterem ist einem häufig Hohn und Spott gewiss. Respekt kann jeder nur in aller Vertraulichkeit erwarten. Das Netz ist das Gegenteil davon und voll von virtuellen Persönlichkeiten, deren echtes Leben eher unspektakulär verläuft, die im WWW dann den dicken Max machen und dabei das gewisse Extra suchen. Unsanktionierte Respektlosigkeiten inklusive. Halunken eben – ganz wie im richtigen Leben.

# 74 | 13.02.2010 13:32:50 | Cornelia Pfadenhauer schrieb:
Yeah! Punktgenau die Konsolidation. Zum Dank ein Song für den Winterblues: http://www.youtube.com/watch?v=8Y99tXNxV5s

# 73 | 13.02.2010 07:30:32 | joe bauer schrieb:
AMTLICHE BEKANNTMACHUNG!

Die Einrichtung des Lesersalons für gutes Geld habe ich mir geleistet, um unserer Unterhaltungsshow Flaneursalon etwas Begleitmusik im Netz zu gönnen. Diese Seite ist als Podium für den Meinungs- und Interessenaustausch in der Nachbarschaft meiner Kolumnen und Depeschen gedacht. Kurze Zeit hat das funktioniert. Um zu verhindern, dass Beiträge penetranter oder zwanghafter Selbstdarstellung den Meinungsaustausch blockieren und den Unterhaltungswert dieser Seite zerstören, werde ich mir von heute an erlauben, in Fällen von Notwehr die Löschtaste zu drücken. Ich tendiere zu einer mentalen Version der Chinesischen Schlittenfahrt.

Hochachtungsvoll
Der Executor
Joe:...genau, bauer, mach das!

P. S.: Die jüngsten StN-Kolumnen finden Sie inzwischen auf den Depeschen-Seiten.

# 72 | 12.02.2010 23:42:26 | Cornelia Pfadenhauer schrieb:
Man muss vor allen Dingen erst einmal dort gewesen sein, geehrter Herr Leonhard. Selbst sehen und empfinden. Die Leute sollen Eintritt zahlen. Herr Harthan hat das sofort begriffen. Er geht meilenweit für Gerda Taro. Selbst wenn ich meine Erkenntnisse der Ausstellung hier preisgebe, passt es Ihnen auch wieder nicht. Allergie ist Allergie. Solange Sie Ausschlag kriegen, wenn Sie meinen Namen lesen, wird das nix. Sie hätten die Freikarten nehmen sollen, dann wären Sie nicht so schlecht gelaunt. Und nebenbei, wo sind eigentlich Ihre Inhalte?
Der ebenfalls geehrte Herr Rapp kann von mir aus als Familienmitglied ruhig bleiben. Ich bin sehr christlich. Habe meine Wasserpistole beim Fasching extra liegenlassen. Bei oder nach der Lektüre von Jörg Juretzkas EQUINOX kann er sogar ohne Probleme sein Trill vollends über Bord geben.
Stichwort Bücher. Das wäre so meine Interessenslage. Der souveräne Herr Rebstock sprach von guten Büchern. Vielleicht kann er oder sonst einer der Herrschaften mir einen Titel nennen?

# 71 | 12.02.2010 23:03:33 | Carl Leonhard schrieb:
Das ist lustig. Frau P. faselt etwas von Humor und hat keinen Dunst, was das ist. Sie glaubt, Humor sei, wenn man wie beim Fasching in der Dorfturnhalle Kanarienvogelgezwitscher zusammen mit Trill ausspuckt. So wird, um Frau P.s Wortwitz-Niveau zu halten, der Lesersalon zum Friseursalon. Dabei hatte man schon geglaubt, mit den jüngsten Beiträgen von Hans-Ulrich Wagner und rebstock käme Inhalt in den Laden. Nett auch, dass sich Herr Hartan bei Frau P. bedankt, weil die mit Kennerblick feststellt, die Stuttgarter Taro-Ausstellung (zuvor New York, Barcelona) sei "absolut besuchenswert". Darauf muss man erst mal kommen.

# 70 | 12.02.2010 21:50:22 | Sabine Jakob-Günther schrieb:
Biete mich als Sekundantin an. Als Ex-Emanze vornehmlich den Herren. Kindergarten.

# 69 | 12.02.2010 21:09:57 | Thaddäus Trill schrieb:
Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herrn hier die Auflösung: Am Ende einer langen Recherche bin ich vor Kurzem auf dieser Seite der Heimat gelandet. Habe, ach, in ein paar Depeschen reingeschnuppert – und war ziemlich hin und weg, was für ein literarisches Talent da im Verborgenen vor sich hinschrieb. Auf dem Nachhauseweg dann kurz noch in den danebenliegenden Lesersalon reingestolpert, und was soll ich sagen...
Ich überspringe hier drei Sätze und komme bereits zum Schluss: Herrlich, wie man euch Schwaben provozieren kann. Jetzt ist Feuer unterm Dach, der Salon wird zum Salon, und bevor ich hier von eurem Heimatkommando über den Haufen geschossen werde, verschwinde ich wieder, aber über den Vordereingang: Sehr geehrte Frau Berries, sehr geehrte Frau Pfadenhauer, sehr geehrter Herr Vögelein, sehr geehrter Herr Bernhard, sehr geehrter Herr Harthan, lächeln Sie doch einfach mal! So ist es schon viel besser. Und schreiben Sie ruhig weiter. Das wird schon.

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